»Wer mit beiden Beinen auf dem Boden steht, kommt nicht vorwärts.«
GehenLand
Die Kunst des Veränderns im Gehen

Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wann man mehr ginge«, schrieb Johann Gottfried Seume um 1801 in seinem Reiseklassiker Spaziergang nach Syrakus.
Im Gehen liegt mehr als nur eine Form des Vorwärtskommens. Selbst unsere Sprache belegt, wie wertvoll die Erfahrung des Gehens und Wanderns angesehen wird: Wir begeben uns auf Wanderschaft, um Fähigkeiten und Wissen zu erlangen. Wer Erfahrungen und Kenntnisse besitzt, gilt als bewandert.
Wer heute losgeht, will spätestens morgen am Ziel sein. Wir meinen, die Welt sei kleiner geworden. Im flüchtigen Hinsehen unseres beschleunigten Reisens durch die Zeit glauben wir zu erkennen, dass alle Menschen gleich seien. Doch global und austauschbar ist nur die Warenwelt. Menschen aber sind einzigartig.
»So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt. Man kann niemand mehr fest und rein ins Angesicht sehen, wie man soll: man tut notwendig zu viel oder zu wenig. Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft«, resümierte Seume.
Jeder Mensch besitzt eine ihm eigene Geschwindigkeit, im Denken, wie auch im Handeln. Menschen führen bedeutet, sich auf ihre individuelle Geschwindigkeit einlassen. Wie könnten wir das besser tun als im Gehen?
Wir brauchen Zeit, um zum Kern der Dinge zu gelangen. Und wir brauchen noch mehr Zeit, um Dinge zu verändern. »Walk. Don’t run.« Shakespeares Pater Lorenzo empfahl dem liebestrunkenen Romeo: »Wisely and slow; they stumble that run fast«. Eile mit Weile. Wer schnell ankommen will, kommt oft überhaupt nicht an. Im Gehen liegt die Weisheit einer Lebenskunst.
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Beratungsansatz → Neue Peripatetik
Leitgedanke → Gehen und Denken
